
Ahlen, ©VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Sonderausstellung in der Neuen Galerie
Sonderausstellung
20.10.2023 bis 28.1.2024
Neue Galerie
Die Ausstellung zeichnet Winters künstlerischen Weg und seine vielfältigen Verbindungen mit der documenta Stadt Kassel anhand signifikanter Kunstwerke nach. Im Zentrum stehen die ersten drei documenta Ausstellungen 1955, 1959 und 1964.
Besucher*innen erhalten die Gelegenheit, einen zentralen Protagonisten der frühen documenta-Geschichte wiederzuentdecken, einen Maler, der die Sprache der gegenstandslosen Kunst in Deutschland seit den 1920er-Jahren maßgeblich erweitert hat.
Mit seinem vielbeachteten Auftritt auf der ersten documenta 1955 wurde Fritz Winter (1905–1976) als einer der wichtigsten deutschen Vertreter der abstrakten Malerei bekannt. Im selben Jahr erhielt er den Ruf auf eine Professur an der Werkakademie in Kassel, wo er bis 1970 lehrte. Er arbeitete eng mit dem Gründer der documenta Arnold Bode zusammen und war zunehmend in die Entscheidungs- und Organisationsstrukturen der Großausstellung eingebunden.
Der ehemalige Schüler von Paul Klee und Oskar Schlemmer am Bauhaus in Dessau war unter den Nationalsozialisten als entartet diffamiert worden. 1949 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der »Gruppe der Gegenstandslosen« ZEN 49 und galt in der Nachkriegszeit als wichtiges Bindeglied zwischen den künstlerischen Avantgarden der Vor- und Zwischenkriegsmoderne und dem postulierten Anspruch des westdeutschen Anschlusses an die internationale Kunstentwicklung.
Komposition vor Blau und Gelb
Fritz Winter – Großer Auftritt auf der documenta 1955
Auf der ersten documenta hatte Fritz Winter einen großen Auftritt. Sein Gemälde Komposition vor Blau und Gelb diente als Kulisse für die Eröffnungsfeierlichkeiten am 15. Juli 1955 im Malereisaal des Museum Fridericianum. Vor der Leinwand war das Rednerpult aufgebaut, es sprachen die Honoratioren aus Kunst und Politik.

Es stand repräsentativ für die Qualität der abstrakten Malerei im Nachkriegsdeutschland. Wie das Gemälde auf der ersten documenta installiert war, ist in der Ausstellung mit einer Virtual Reality-Brille oder im nachfolgenden Video-Rundgang erfahrbar.
Virtueller Rundgang
Fritz Winter – auf der documenta 1955
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020 für die abgebildeten Werke von Willi Baumeister, Max Beckmann, Georges Braque, André Derain, Hans Hartung, Zoran Antonio Music, Pierre Soulages, Victor Vasarely und Fritz Winter, © Succession H. Matisse / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 für die abgebildeten Werke von Henri Matisse, © Georg-Meistermann-Nachlassverwaltung, Dr. Justinus Maria Caleen VG Bild-Kunst, Bonn 2020 für das abgebildete Werk von Georg Meistermann, © Elisabeth Nay-Scheibler, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 für die abgebildeten Werke von Ernst Wilhelm Nay, © Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 für die abgebildeten Werke von Pablo Picasso
Fritz Winter erhielt 1955, im Jahr der ersten documenta, einen Ruf auf eine Malereiprofessur an der Werkakademie Kassel und wurde somit Kollege von Arnold Bode. Nicht nur dort, sondern auch für die ersten drei documenta Ausstellungen arbeiteten sie eng zusammen. Als ehemaliger Bauhaus-Schüler stand Winter für eine direkte Verbindung zwischen Kassel und dem Bauhaus. Er war auf der documenta nicht nur mit spektakulär inszenierten, größeren Werkkomplexen präsent, sondern auch in ihre Organisationsstruktur eingebunden.
Als wichtiges Bindeglied zwischen den künstlerischen Avantgarden der Vor- und Zwischenkriegsmoderne und dem postulierten Anspruch des westdeutschen Anschlusses an die internationale Kunstentwicklung stützt. Gemeinsam wollen beide Interesse wecken und zeitgenössische Kunst zugänglicher machen. Ein Besuch der Galerie lohnt sich!
Die Ausstellung ist eine Kooperation mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und der Fritz-Winter-Stiftung, das Fritz-Winter-Haus, Ahlen unterstützt mit zentralen Leihgaben. Großzügige Förderungen stellen die Hessische Kulturstiftung, der Museumsverein Kassel e.V. und die Volksbank Kassel Göttingen eG. bereit.